Unsere ersten 60 Tage in der Karibik

Updated: Feb 4

Teil 1 6.12.2021 - 21.2.2022 / von St.George's bis Le Phare bleu


Mit Ausblick auf den Atlantik auf der einen und der Karibischensee auf der anderen Seite lassen wir die letzten 60 Tage Revue passieren. "hey man, have a good one" und "die grenadien meantime (GMT....stimmt natürlich nicht :-))" haben sich schon etwas verinnerlicht; totale Entspannung! Dazu führt Müssiggang, Happyhour, nette Menschen, Reagge, R&B, gutes Essen und tolle, neue Bekanntschaften. Jawohl, wir sind angekommen. Mit Haut und Haaren und unsere Seelen haben die Reise auch überstanden. Paradies? Doch eigentlich schon, aber immer eine Frage des Blickwinkels. Für uns Frührentner (sprich Privatiers) hat das süsse Leben am Palmenstrand durchaus ein Lächeln übrig und es herrschen paradisische Zustände. Dann gibt es wie von euch richtig gedacht auch immer eine Kehrseite der Medaille. Wir versuchen auf unseren Inseltouren und im Blog immer auch kritisch zu bleiben und aus allen Blickwinkeln zu berichten.


Port Louis, St. George's

Die ersten zwei Wochen nach unserer Ankunft haben wir im Hafen von St. George's verbracht und von da aus einige Ausflüge unternommen. Nebenbei war einiges am Schiff zu reparieren und zu reinigen. Dann war da auch immer noch die Tatsache, dass unser Bugstrahlruder nicht funktionierte, die Kupplung zum Motor war in tausenden von Teilen in der Segellast quasi explodiert, juhui! Die Teile waren bestellt, aber leider bis anhin durch DHL nicht geliefert. Warten. Das soll ja auch eine Tugend sein. Nebenbei bemerkt, die Teile sind immer noch auf der Reise, also haben wir noch einmal in den USA bestellt. Geholfen hat uns Solomon, ein Mitarbeiter der Spice Island Marine. Jetzt sind wir wieder glücklich!


St. George's


Der Hafen Port Louis liegt etwas ausserhalb der Stadt. Ein durchaus moderner Hafen mit allen Annehmlichkeiten. Die Christmaswinds beginnen schon sehr früh in diesem Jahr und lassen auch die eine oder andere Regenschauer über uns hinwegziehen. Es ist warm und feucht, immer um die 30° C, ungewohnt, aber wir nehmen es gerne an. Während der ersten Woche sind noch einige Veranstaltungen zusammen mit der ARC+. Happyhour im Hafen mit DJ, Steelband, Ausflüge und dann der Abend der Preisverleihung. Wir freuen uns über den erreichten 5. Rang in der Spitzengruppe. Abgeräumt haben die Norweger, freuen tuts uns, dass die 50 ft. Schiffe die grossen geschlagen haben; wir sind schon ein bisschen Stolz auf unsere Leistung.

Die "wilden und legendären Partys" werden zu Hause aufmerksam verfolgt, Facebook und Instagram lassen grüssen. Wir geloben Besserung!



die legänderen ARC-Partys / ....mit dem Wassertaxi zum Event



Preisverteilung und Tanz



Die erste Woche sind Mathias und Hans-Otto noch mit von der Partie. Mit einer grossen Inselrundfahrt verschaffen wir uns einen Überblick über Grenada. Grün wohin das Auge schaut mit einer unglaublichen Intensität und Farbenpracht, wir alle sind überwältigt.

Die klassische Rundfahrt: Besuch einer Rum-Destillery, Schokoladenfabrik, Muskatbäume, Wasserfälle, ein paar Caribs in der Bar und voller Eindrücke im Hafen wieder abgeliefert.



Belmont Estate; Kakao-Farm und Schokoladenfabrik / Sheldon unser Guide


Kakao: Von der Frucht bis zur Schokolade, ein langer und aufwendiger Prozess


Handfertigung der "besten" Schokolade der Welt :-)




Zwischenzeitlich ist das Rigg wieder in Ordnung gebracht, Blöcke ausgetauscht, das Gennaker-Segel zur Reparatur abgeholt und erste Kontakte zu einer Werft für den "Sommerplatz" während der Hurricanesaison sind geknüpft. Dann werden wir auch die Reparatur an den lecken Dichtungen der Badeplattformscharniere in Angriff nehmen.

Für die Funktionserhaltung habe ich vorerst einmal genügend Fett in die Dichtungen gespritzt. Somit kann die Plattform bewegt werden und ist voll funktionsfähig. Da schon Korrosion eingesetzt hatte ist einige Male die Sicherung herausgesprungen. Das heisst dann im Klartext einen Seiltanz über die Heckleinen auf das Schiff zu wagen. Ja genau, ich muss ja noch erklären, dass in der Karibik zu 90% rückwärts angelegt wird. Ein Gang über die Leinen spät abends ist doch auch immer wieder ein lustiger Akt für alle Zuschauer :-).


Mittlerweile sind die meisten Segelschiffe der ARC wieder losgesegelt, nur ein handvoll ist noch hier; nach ersten Bedenken meinerseits und dem Drang zum Weitersegeln entdecken wir aber die Langsamkeit. Es gibt so viele Dinge zu tun und zu erleben, also keine Bange es wird nicht langweilig werden. Wir verbringen schöne Tage an der Grand Anse Beach auf den Liegestühlen und mit coolen Drinks in der Hand. Am Abend kommen die Locals und geniessen einen Schwatz und den Sonnenuntergang. Danach gehts zu Tunatatar und Pina Colada ins 61West und schon geht wieder ein Tag im Leben der Weltumsegler zu Ende.




Die grossen Pötte

Um die Ecke zu unserem Liegeplatz legen die grossen Schiffe an. Keine Kreuzfahrtsschiffe, die haben ihren Terminal in der Stadt, aber private Yachten mit Grösse am Existenzmaximum.

Interessant was Google alles über die Schiffe und deren Besitzer erzählt. Die meisten kommen zum Crewwechsel und zum Tanken. Da fahren dann ein paar Tage 24 Stunden Tankwagen vor; keine Angst, die Tanks waren nicht leer, sind danach aber auch nicht voll: was für eine Welt!







Mit Rang und Namen ab 50 Meter









Das Stelldichein der Grossen


Ein Abend bei Patrick's und Kennedy's

Ausserhalb des Hafengeländes befindet sich ein kleines Restaurant, eher ein Shack, also eine Baracke, wir sind noch etwas scheu. Zusammen mit Traci und Andrew gönnen wir uns aber das Abenteuer und sind wirklich überrascht. Tapas à la Kreol vom Feinsten und ein Hüne von einem "Beizer" mit Rasta und direkt aus New York. Wir verbringen einen tollen Abend, abgerundet mit einem karibischen Feuerwasser: Rum mit tausend Kräutern!

Im Cruisernet auf Kanal 66 wird jeden Morgen gequatscht und "advertising" betrieben. So erfahren wir auch von Kennedy's homekitchen. Vier mal im Jahr lädt er und seine Familie zu sich ein. maximal 12 Personen für kleines Geld. Als ehemaliger Uniprofessor geht er nun seiner Passion, dem Kochen nach. Einheimische Küche zum Anfassen. Wir werden sogar in der Bucht abgeholt und wieder zurückgebracht. Zuteeldrumklängen werden wir empfangen und erleben einen wunderbaren Abend voller Herzlichkeit und einem karibischen Essen.



Essen und Feuerwasser bei Patrick's

mit Traci und Andrew





Ein wunderbarer karibischer Abend mit Kennedys Familie und Gästen



Ein Leben im Paradies

Grenada ist ein Karibikstaat, der neben der gleichnamigen Hauptinsel auch mehrere kleinere umliegende Inseln erfasst. Auf Grund ihrer zahlreichen Muskatplantagen wird die hüglige Hauptinsel auch als "Gewürzinsel" bezeichnet. Weiterlesen könnt ihr unter www.Google/ Grenada.


Der Inselstaat mit ca. 112'000 Einwohner wurde durch die Coronapandemie arg gebeutelt.

Man spricht von 50% Arbeitslosigkeit. Die Impfrate liegt bei ca. 40%, verschuldet durch schlechte Information und kulturell bedingter Skepsis. Nach langem Lockdown kehrt wieder Leben ein im Inselstaat. Trotzdem bleibt die Kluft zwischen arm und reich sehr gross und die Hoffnung auf Besserung kehrt nur langsam zurück. Viele Familien sind Selbstversorger. Leben in kleinen Häusern verteilt über die ganze Insel, mit eigenem Grund und grossem Garten. Entlang der Strassen gibt es Verkaufsstände und Garküchen, die für die Betreiber ein minimales Einkommen garantieren. Dann sieht man auch die Businessleute, schick angezogen im Deuxpiece oder mit langer Hose und Hemd, welche in den verschiedensten Berufszweigen, vornehmlich im Dienstleistungsgewerbe tätig sind und allem Anschein nach entsprechend verdienen. Schwarz und weiss, nein so sollte man das nicht sehen. Die jungen Staaten brauchen einfach Zeit um sich zu etablieren. Vieles spielt sich auf der politischen Ebene ab und wird noch ein paar Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Wir jedenfalls erleben die Menschen freundlich, positiv und ohne Vorurteile. Die Kriminalität ist an einem kleinen Ort und jeder kann sich überall hin bewegen, auch nachts, was in der Karibik nicht überall selbstverständlich ist.


Wie ihr bestimmt bemerkt habt, wir haben uns etwas in Grenada verliebt. Eine wunderbare Insel mit wundervollen Menschen! Zwischenzeitlich haben wir beschlossen die Hurricane-saison, also den Sommer auf Grenada zu verbringen, aber davon später.


True blue bay and Pricklybay

Kurz vor Weihnachten hiess es dann für uns, trotz defektem Bugstrahlruder, Leinen los und ab Richtung Süden. Das tönt nach einem grossen Törn, war aber nur ein Schlag quasi um die Ecke zuerst zur True blue bay und danach für eine Nacht in die Pricklybay. Happy hour in der Strandbar und erste Erfahrungen in den grossen Ankerfeldern der Karibik. Eine Erkenntnis für sich selbst. Da liegen Schiffe die zum Teil schon fast so bewachsen sind wie Riffe; die gestrandeten Weltumsegler. Man trifft sie dann in den umliegenden Bars fast jeden Abend.

Irgendwie etwas morbid und gruselig, Altersheim auf Raten, kein Flair von weiter See und grosser Fahrt. Habt ihr Bedenken? :-). Nein, wir werden nicht anwachsen, wir werden weitersegeln, wandern, entdecken und viele Inseln besuchen; aber alles zu seiner Zeit und ohne Hetze, eben mit der Entdeckung der Langsamkeit.



Le Phare bleu

Am 21.12.21 laufen wir nach einem kurzen, aber heftigen Schlag in der Marina unserer Träume ein. Ein Idyll. Mit 50 Plätzen ist alles überschaubar. Einige Schiffe liegen hier unbewohnt und warten auf den nächsten Törn. Wir bekommen einen wunderschönen Platz an der Aussenmole mit freiem Blick auf die Bucht und den Atlantik, zauberhaft. Zur Marina gehört ein kleines Boutique-Resort, ein Restaurant, eine Kaffeebar, Coiffeur, Gin-Destillery und sehr, sehr nette Mitarbeiter. Danke an Martina und Philippe; ein wirklicher Geheimtipp!

MIt uns sind auch Traci und Andrew von der Walkabout und Iris und Volker von der Exit One in den Phare bleu gekommen. Bis Weihnachten werden es dann noch weitere ARC-Teilnhemer bis hier her schaffen.

Mit der Ankunft ist der erste Teil unserer Reise abgeschlossen. Wie viele weitere Teile es werden steht noch in den Sternen. Nun werden wir zuerst einmal bis anfangs Februar entspannen, die Insel kennenlernen und danach weiter auf grosse Fahrt gehen.



Le Phare bleu

Le Phare Bleu Marina







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